Sonntag, 22. August 2010
Warum ich beim Radio weghöre - Loudness War
Der Loudness War ist die zunehmende Tendenz der Musikproduzenten und Radiosendern, ihre Musik lauter erscheinen zu lassen, als die der Konkurrenz, auf Kosten der Dynamik. Das möchte ich mal kurz etwas erläutern:

Loudness, oder auf Deutsch Lautheit (nicht zu verwechseln mit Lautstärke) gibt an, wie laut Menschen einen Klang empfinden. Mehr dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Lautheit
Wenn man sich die Musik, die auf der CD gespeichert ist, als Wellen vorstellt, so sind die Wellen an leisen Stellen niedrig, an lauten Stellen sehr hoch. Doch die maximale Höhe der Welle, die Amplitude, ist begrenzt. Das ist der höchste mögliche Pegel. Insgesamt ist es ein recht großer Bereich zwischen „ganz leise“ und „ganz laut“, es gibt also eine große Dynamik.

Natürlich kann man jetzt den Verstärker noch lauter machen, aber der Umfang von „ganz leise“ bis „ganz laut“ bleibt der gleiche Abstand.

Auch der Rundfunk (TV und Radio) haben diese Pegelbegrenzung. Die einzige Möglichkeit für Musikproduzenten, „lauter“ als die anderen zu klingen, ist, die Musik in ihrem Dynamikumfang zu beschneiden - indem man die leisen Stellen in ihrer Amplitude anhebt. Das Lied wirkt nun lauter und eingänglicher als das der Konkurrenz. Das merkt man vor allem bei Werbung - man greift schon fast automatisch zur Fernbedienung, um leiser zu stellen. Doch auch die Musik ist immer „lauter“ geworden.
Hier eine recht anschauliche Grafik:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ab/Cd_loudness_trend-something.gif

Ein wenig Loudness ist auch gar nicht so verkehrt - es macht z.B. die Radiomusik trotz Umgebungsgeräuschen leichter verständlich. Für unser Hörempfinden wichtige Frequenzen werden eben herausgestellt. Nur dass vor allem die Radiosender es in den letzten Jahren echt übertrieben haben, meiner Meinung nach. Was kommt dabei heraus, ein Einheitsbrei von Lautheit, Krach. Die Dynamik fehlt eben einfach. Ein Schlagzeug wird plötzlich genauso laut wie der Sänger, die Gitarren und alle anderen Instrumente.
Mich macht das müde - ich hab dann keine Lust mehr, zuzuhören.

Jetzt kommt vielleicht der Einwand, dass man das Lied ja noch prima erkennen kann - würde man es nicht im direkten Vergleich hören, würde man den Unterschied vielleicht nicht merken. Vielleicht hinkt der Vergleich etwas, aber ich erkenne auch am Telefon noch eine Stimme oder ein Lied, kann vielleicht sogar einzelne Instrumente heraushören, aber der Dynamikumfang ist sehr klein.

Hier noch ein Video mit Hörbeispiel:


Noch zwei interessante Wikipedia-Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lautheit
http://de.wikipedia.org/wiki/Loudness_war

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